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Bericht DER RAHLSTEDTER Nr. 01/2016

Nachhaltigkeit ist machbar - Der Rahlstedter Friedhof

vom AK "Umwelt und Natur" im Bürgerverein Rahlstedt

Der Friedhof Rahlstedt möchte anders und besser sein als andere Friedhöfe. Der Friedhofsleiter Matthias Habel stützt diesen Anspruch auf drei Säulen: Nachhaltigkeit/Ökologie, christliche Seelsorge und Attraktivität der gärtnerischen Gestaltung.

 

Nachhaltigkeit und Ökologie sind für Matthias Habel ein Schlüsselprojekt. Im Jahr 2004 setzte er für den Friedhof das Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2015 zu halbieren und schließlich bis 2020 auf Null zu reduzieren. Eine Anzahl von Maßnahmen wurden bereits verwirklicht, um diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2004 bezieht der Friedhof „grünen Strom“ und betreibt seit 2005 eine eigene Photovoltaikanlage. Inzwischen gehören zehn Elektrofahrzeuge zum Fuhrpark des Friedhofs. 2009 wurde die Kapelle energetisch renoviert. Die Versorgung mit Gießwasser erfolgt seit 2011 aus einem Gießwasserbrunnen mit 63 m Tiefe. 2013 wurde ein Zuhausekraftwerk in der Kapelle, 2014 eine neue Heizungsanlage in der Gärtnerei eingebaut. Seit Oktober 2015 werden Gärtnerei und Sozialräume zu 100 % mit eingekauftem Ökogas aus Ernteabfällen betrieben. Seit 2015 werden im Wegebereich und auf den Gräbern mit Pflegeauftrag keine Spritzmittel mehr verwendet. Die mechanische Unkrautbeseitigung nimmt einen Mitarbeiter voll in Anspruch. Jedes Jahr fallen bis zu 5000 Kubikmeter Grünabfälle an, die vor Ort kompostiert werden. Der entstandene Kompost wird teils selbst genutzt und an einen Baustoffhändler verkauft.

 

Das bis 2015 gesteckte Ziel einer Halbierung des CO2-Ausstoßes wurde mit 82 % mehr als erreicht. Derzeit werden noch drei Kipper sowie der Friedhofsbagger mit Benzin/Diesel betrieben. Eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge ist auch hier in Planung. Die energieintensive Halogenbeleuchtung der Kapelle soll in Zukunft mit LED-Lampen erfolgen. Für die schlecht gedämmten Sozialräume lohnt sich eine energetische Sanierung nicht. Für sie ist ein kompletter Neubau geplant. Eine vollständige Reduktion des CO2-Ausstoßes bis 2020 ist wohl nicht zu verwirklichen. Einige Aufgaben, wie zum Beispiel die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Friedhofsbaggers, sind derzeit nicht zu erfüllen. Aber immerhin wird die Bilanz des Friedhofs bis 2020 nahezu klimaneutral sein.

 

Die betriebswirtschaftlichen Aspekte verliert Matthias Habel bei allem Idealismus nicht aus den Augen. Er betont, dass nachhaltiges Handeln sich nicht nur auf die Umwelt auswirkt sondern unterm Strich auch kostengünstiger ist. So bringen Verkauf von Kompost und Einspeisung von Solarstrom in das Stromnetz dem Friedhof Einnahmen. Energetische Sanierungen und wartungsarmer Betrieb von Elektrofahrzeugen sparen viel Geld. Seit Kurzem nimmt der Friedhof am Managementsystem ÖKOPROFIT teil.

 

Für Matthias Habel ist der ökologische Betrieb des 8,5 Hektar großen Geländes eine Herzensangelegenheit. Der 38-jährige ist Gärtnermeister und Betriebswirt mit vielfältiger Berufserfahrung. Seit 2003 ist die Tätigkeit als Friedhofsleiter in Rahlstedt für ihn eine erfüllende Aufgabe. Er hat in Rahlstedt ein Zuhause gefunden und schreibt auch privat Umweltbewusstsein groß. So ist er z. B. Besitzer eines Elektroautos und steigt - wenn möglich - auf das Fahrrad um.

 

Der Friedhof wird vom Ev.-Luth. Kirchengemeindeverband Hamburg Rahlstedt getragen und beschäftigt 32 Mitarbeiter. Matthias Habel identifiziert sich mit der christlichen Ausrichtung und versteht ökologisches Handeln in erster Linie als Bewahrung der Schöpfung. Eine menschlich orientierte seelsorgerische Begleitung der Trauernden versteht sich in diesem Rahmen ganz von selbst.

 

Auch auf ästhetischem Gebiet möchte der Friedhofsleiter anderen Friedhöfen voraus sein. Die Grünanlagen sollen nach seinen Worten „attraktiv wie die Bundesgartenschau“ sein und Besucher einladen. Kunstobjekte (z. B. die Skulpturen auf den Gräbern von Hanno Edelmann und Detlev von Liliencron sowie der "Baum des Lebens") ergänzen das Ensemble der Anlage.

Durch die drei Säulen, auf denen der Betrieb beruht, ist der Rahlstedter Friedhof ein idealer Ort für Trauernde und Erholungsuchende. Durch seine nachhaltige Ausrichtung ist er ganz dem Leben und der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet.

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